Frau und Kind spielen mit Spielzeug im Raum.

„Da hätte ich bleiben können!“ – Doris Brandt besucht casayohana in Peru

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Im August 2025 reiste Doris Brandt nach Peru, um die Arbeit von casayohana in Andahuaylas im Hochland der Anden kennenzulernen und dort einige Zeit mitzuarbeiten. Kuratoriumsmitglied Friedemann Büttel sprach mit ihr nach ihrer Rückkehr und gibt mit diesem Artikel schon einmal einen kleinen Vorgeschmack mit einigen Eindrücken, die neugierig machen, berühren und zum Nachdenken anregen wollen.

Ankommen im Hochland der Anden

Für Doris Brandt, die schon seit längerem in der Stiftung casayohana mitarbeitet, war es der erste Besuch in Peru. Bisher kannte sie die Arbeit von casayohana nur von Bildern und Berichten anderer, jetzt erlebte sie diese zum ersten Mal selbst – und war zunächst einmal sehr überrascht: Der Campus war viel kleiner als erwartet. Gleichzeitig war sie beeindruckt, wie viel auf diesem engen Raum passiert, besonders in den zahlreichen Therapien und Untersuchungen. Aber schon der erste Eindruck machte ihr klar, wie dringend nötig der Neubau des Therapiezentrums mit mehr Platz für Behandlungen ist.

Herzliche Nähe statt Berührungsängste

Besonders berührt hat Doris Brandt von Anfang an, dass die Mitarbeitenden keinerlei Berührungsängste kennen. Selbst wenn Kinder oder Eltern schmutzig sind – man nimmt sie in den Arm, kuschelt mit ihnen, kitzelt sie. Diese Atmosphäre von Wärme und Herzlichkeit ist auf dem ganzen Campus spürbar. Man lässt die Eltern auch nicht allein, während ihre Kinder in der Behandlung sind, sondern es sind immer Mitarbeitende da, die sich um sie kümmern und niederschwellige Schulungen zu Ernährung, Erziehung und Gesundheit anbieten. 

Therapien: vielfältig, exakt, professionell

Als ehemalige Heilpädagogin in der Lebenshilfe war Doris Brandt auf dem Campus sofort in ihrem Element. „Es war wie heimkommen in meinen alten Job,“ meinte sie. „Da hätte ich bleiben können.“ Es sei einfach beglückend mit dabeizusein, wenn z.B. ein behindertes Kind die ersten Schritte auf den eigenen Beinchen schafft. Sehr angetan war Brandt von der hohen Qualität der therapeutischen Arbeit, die der in Deutschland in nichts nachstehe. Allerdings äußerte sie sich verwundert über die exakte Dokumentation aller therapeutischen Tätigkeiten. Das liege daran, so die Leiterin Bine Vogel, dass casayohana jederzeit mit einer Gemeinnützigkeitsprüfung rechnen müsse. Deshalb sei so wichtig, dass die Unterlagen so penibel geführt werden.

Zwischen Armut und Überfluss

Bedrückend erlebte sie die teilweise schockierende Armut in dem schönen Land, das so reich ist an allem, was man zum Leben braucht. Doch die Fülle erreicht viele Menschen nicht. In der Bezirkshauptstadt Andahuaylas erlebte sie beispielsweise auf dem Wochenmarkt eine förmliche Mandarinenschwemme: Für umgerechnet 25 Cent eine ganze Tüte. Gleichzeitig ist da aber der Gedanke: Wie gelangen diese Früchte ins Hochland, dorthin, wo sie so dringend gebraucht würden? …

Vorurteile hinterfragt

Auch das eine oder andere romantisch-klischeehafte Vorurteil musste sie revidieren. Man kennt es ja von vielen Bildern aus Peru: Quechuafrauen, die in ihren bunten Tücher, ihre Kinder auf dem Rücken tragen, so natürlich, so körpernah. Was idyllisch wirkt, birgt hohe Risiken: Die Kinder werden zu lange im Tuch getragen, lernen viel zu spät selber Laufen und machen so wichtige Entwicklungsschritte nicht. Hier zeigt sich, wie wichtig die Aufklärungsarbeit von casayohana ist.

Gelebter Glaube

Nicht zuletzt hat Doris Brandt sehr berührt, wie der christliche Glaube in allem, was auf dem Campus geschieht, zu Ausdruck kommt: ob bei den Gottesdiensten der casayohana-Gemeinde auf dem Campus, oder in der Selbstverständlichkeit, mit der für alle Anliegen gebetet wird. Vor der Fahrt zu einem schwierigen Besuch, hielt der Fahrer des Pickups kurz an, nahm seine Kappe ab und man betete für eine gute Fahrt und einen erfolgreichen Besuch, als ob es das Normalste der Welt wäre. Ist es irgendwie ja auch …

Überhaupt: Es wird viel, viel mehr gebetet und mit der Gegenwart Gottes gerechnet. Beeindruckend! „Die Kraft des Glaubens kann man vor allem am liebevoll wertschätzenden Umgang mit den Kindern und allen Klienten auf dem Campus ablesen.“ Und sie erzählt von einer Medizinkampagne im Hochland, bei der Arme ohne Krankenversicherung die Möglichkeit hatten, sich medizinisch untersuchen zu lassen: „Mich hat tief berührt, wie respektvoll die Mitarbeitenden von casayohana mit den „alten, verhutzelten Menschen“ umgingen, sie von der ersten bis zur letzten Minute unterstützten und mit Würde behandelten.“ 

Einladung zum Erzählen und Weiterdenken

Doris’ Aufenthalt in Peru hat Spuren hinterlassen – so sehr, dass sie sagt: „Jetzt weiß ich, dass ich mich hier bei der Stiftung am richtigen Platz engagiere.“
Am Freitag, 5. Dezember 2025, 19 Uhr, Gemeindehaus St. Andreas wird sie mehr von ihren bewegenden Erfahrungen und Erlebnissen berichten. Herzliche Einladung!